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Sami Niggi Nanny?

Von Nadia Meier (Tages-Anzeiger 6. Dezember 2014)


"Gäll, Tim", sagt die Frau an der Bushaltestelle zum Buben im Buggy. Sie zwinkert ihrer Bekannten zu. "Der Samichlaus nimmt dann deinen Nuggi mit in den Wald, gäll?" Timm schüttelt energisch den Kopf und hält schützend die Hand vor den Plastikstöpsel in seinem Schmollmund. "Mo-moll, Tim." Die Frauen nicken einander zu.

Morgen wird ein mitteldicker Mann im Filzmantel tun, was die Eltern nicht geschafft haben: Tim den geliebten Nuggi wegnehmen. Kalter Entzug fürs Kleinkind, durchgeführt von einem Mietchlaus. Voll fies.

Und das ist nur ein Beispiel dafür, wie der Samichlaus als Supernanny, Erzieher und Drohgespenst missbraucht wird. Von den Eltern, die es ach so gut meinen mit den lieben Kleinen. Emma hört schon seit Oktober bei jedem Trotzanfall ein vorwurfvolles "Uiuiui, wenn das der Samichlaus hört". Und bei Jonas wird ein Chlaus, mit den gleichen Turnschuhen wie Onkel Thomas, in einem dicken Buch blättern und mit erhobenem Zeigefinger poltern: "Fingernägel kauen? Mai-mai, da hat der Samichlaus aber gar keine Freude!"

Der Mann aus dem Wald soll am 6. Dezember husch, husch dem Kind ein schlechtes Mödeli abgewöhnen, das die Eltern an den 364 Tagen zuvor nicht in den Griff bekommen haben.

Ich meine: Der Samichlaus soll Nüssli, Schokolade und Mandarinen bringen. Vielleicht noch einen Lebkuchen oder Gritibänz. Für jedes Kind einen schönen, prall gefüllten Chlaussack - ganz ohne Drohungen, Schelte und schlechtes Gewissen drin.

Erziehung findet nämlich im Alltag statt. Nicht am Samichlaustag. Drum, lieber Samichlaus: Wenn du morgen Tims Nuggi einpacken musst, dann nimm doch bitte, im Sinne der Suchtprävention, auch gleich die Zigaretten von Tims Mami mit und das iPhone von seinem Papi.

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Tel: 079 630 21 01
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